Tipps zur Arbeitszeit

Regeln bei Zweitjobs

Nebenbei Kellnern, Zeitungen austragen oder Lebensmittelregale auffüllen: Noch nie gab es so viele Zweitjobs in Deutschland. Betroffen sind oft Teilzeitbeschäftigte. Denn längst nicht alle reduzieren die Arbeitszeit, um Zeit für die Familie zu haben. Kompakt erklärt, worauf beim Zweitjob zu achten ist.

Foto: Diego Cervo/istockphoto.com

Noch nie gab es so viele Zweitjobs in Deutschland - etwa bei Reinigungskräften.
03.04.2018
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Statt woanders einen Zweitjob aufzunehmen, lässt sich manchmal auch die Arbeitszeit im Hauptjob verlängern — vor allem, wenn beim Arbeitgeber eine freie Vollzeitstelle zu besetzen ist. Dann muss ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer bei der Besetzung der Vollzeitstelle bevorzugt werden. Geregelt ist das in Paragraf 9 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes. Minijobber und andere Teilzeitler haben deshalb gute Karten, wenn sie sich bei ihrem Arbeitgeber auf eine frei werdende Vollzeitstelle bewerben.

Verbot zählt nicht:
Niemand sollte sich von einem Nebenjobverbot im Arbeitsvertrag beeindrucken lassen. Firmen dürfen Zweitjobs nicht generell verbieten. Steht ein solches Verbot im Arbeitsvertrag, so ist die Regelung unwirksam. Wichtig ist jedoch: Der Nebenjob darf die Interessen des Hauptarbeitgebers nicht verletzen. Anheuern bei der Konkurrenz des Chefs – das geht nicht. Auch nebenher die Kunden des Chefs zu "bedienen", ist ein absolutes "No go". So wurde ein Rohrleitungsmonteur, der in seiner Freizeit auf eigene Rechnung einer Kundin seines Chefs neue Abflussrohre montiert hatte, fristlos entlassen. Zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht Hessen befand (Aktenzeichen 16 Sa 593/12). Tipp: Im Zweifelsfall sollten Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber über einen beabsichtigten Nebenjob informieren.

Minijob:
2,9 Millionen Beschäftigte üben derzeit nebenher einen Minijob aus. Neben einem sozialversicherten Hauptjob ist ein Minijob bei einem anderen Arbeitgeber erlaubt, aber nur ein einziger. Dort dürfen bis zu 450 Euro pro Monat sozialabgaben- und steuerfrei kassiert werden. Lediglich 3,6 Prozent für die Rentenversicherung gehen hiervon ab – soweit die Rentenversicherungspflicht nicht abgewählt wird.

Kurze Beschäftigung:
Drei Monate lang im Sommer — beispielsweise — im Eiscafé der Familie jobben. Solche Jobs gehören in die Schublade "kurzfristige Beschäftigung". Solche Beschäftigungen sind komplett sozialversicherungsfrei – auch für den Arbeitgeber. Die sozialversicherungsfreie Beschäftigungsdauer wurde bis Ende 2018 auf drei Monate oder 70 Arbeitstage ausgedehnt. Geregelt ist dies in Paragraf 115 des Sozialgesetzbuches IV. Die Drei-Monats-Grenze gilt, wenn die Beschäftigung an mindestens fünf Tagen in der Woche erfolgt. Bei weniger als fünf wöchentlichen Arbeitstagen gilt die Obergrenze von 70 Arbeitstagen. "In diesem Fall kann sich die Beschäftigung auf bis zu zwölf Monate verteilen", so Thomas Methler von der Minijobzentrale. Auf die Höhe des Verdienstes kommt es bei kurzfristigen Beschäftigungen nicht an.

Dreier-Pack:
Neben ihrem Hauptjob können Arbeitnehmer sowohl eine kurzfristige Beschäftigung als auch einen Minijob bei anderen Arbeitgebern ausüben. Salopp gesagt: Minijob und kurzfristige Beschäftigung »beißen sich nicht«.

Gleichbehandlungsgrundsatz:
Nebenjobber dürfen bei ihrem Zweitarbeitgeber gegenüber den anderen Beschäftigten nicht benachteiligt werden. Dieser Grundsatz gilt zwar generell im Arbeitsleben, bei Minijobs wird er jedoch besonders oft missachtet. So stehen Minijobbern beispielsweise auch Nacht-, Feiertags- oder Wochenendzuschläge zu, wenn diese den anderen Beschäftigten gezahlt werden. Wichtig zu wissen: Solche Zuschläge machen den Minijob nicht einmal "kaputt". Die Zuschläge sind nämlich in der Regel sozialversicherungsfrei und werden nicht mitgezählt, wenn geprüft wird ob die 450-Euro-Grenze eingehalten wird. Es gibt noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten zu sozialversicherungsfreien Zulagen. So können die Arbeitgeber per Entgeltumwandlung eine betriebliche Altersversorgung von Minijobbern finanzieren oder ihnen ein Jobticket zur Verfügung stellen. Wenn diese Leistungen den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Kollegen zustehen, haben generell auch Minijobber einen Anspruch hierauf.

Zwei sozialversicherungspflichtige Jobs:
Dauerhafte Nebenbeschäftigungen mit Einkünften über 450 Euro sind dagegen – wie der Hauptjob – sozialversicherungspflichtig. Rund 300 000 Arbeitnehmer haben derzeit zwei sozialversicherungspflichtige Jobs und erwerben damit doppelte Ansprüche bei der Sozialversicherung. So stehen ihnen für beide Jobs Rentenansprüche zu. Im Krankheitsfall erhalten sie nach dem Ende der sechswöchigen Lohnfortzahlung Krankengeld für beide Beschäftigungen. Geht einer der Jobs verloren, so zahlen die Arbeitsagenturen dafür das sogenannte Teilarbeitslosengeld. Ein Arbeitnehmer mit Kind, der einen Zweitjob mit monatlichen Einkünften von 1000 Euro brutto verliert, hat zum Beispiel Anspruch auf 443,10 Euro Teilarbeitslosengeld – und das für bis zu sechs Monaten. Bei der Steuer gilt Folgendes: Die Zweit-Beschäftigung wird – bei Einkünften über 450 Euro im Monat – nach Steuerklasse VI besteuert. Die Abzüge sind dabei zunächst hoch. Aber: Im Endeffekt wird Job 2 wie Job 1 besteuert. Die zu viel gezahlte Steuer wird im Folgejahr auf Antrag erstattet. Wer will, kann außerdem von vornherein seine steuerlichen Freibeträge, die ansonsten nur beim "Erstjob" berücksichtigt werden, auf beide Jobs verteilen.

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