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31.01.2019

Von: Alexander Reupke

Papier-Tarifrunde

Bundestarifkommission hat die Forderungen einstimmig beschlossen

Jedes Mitglied der 26-köpfigen Bundestarifkommission reckte seinen Arm nach oben, als es Mitte Januar in Offenbach um die Abstimmung der Forderungen für die diesjährige Papier-Tarifrunde ging.

Alle Mitglieder der Bundestarifkommission haben den Forderungen zugestimmt.

Das Forderungspaket für die 40 000 Beschäftigten der Papierindustrie war damit einstimmig beschlossen: Eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent, eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen sowie eine Verdopplung des Urlaubsgeldes sollen in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern durchgesetzt werden. Die Laufzeit der abzuschließenden Verträge soll sich am Gesamtergebnis ausrichten.

In der vorangegangenen Debatte über die wirtschaftliche Lage zeigte sich: Die Forderungen sind mehr als gerechtfertigt. Die Gewinne sind hoch und die Umsätze pro Beschäftigtem steigen. “Auch die Auftragslage der Arbeitgeber ist seit Jahren stabil. Gleichzeitig schlägt der Fachkräftemangel in der Branche mit Vehemenz durch. Die Belastung der Beschäftigten hat durch Mehrarbeit deutlich zugenommen, Freizeitausgleich ist beinahe Utopie. Deshalb wollen wir einen Tarifabschluss, der der Sozialpartnerschaft Rechnung trägt“, sagte Frieder Weißenborn, Verhandlungsführer der IG BCE.

Im Forderungspaket steckt eine besondere soziale Komponente: Von einer Verdopplung des Urlaubsgeldes profitieren die unteren Entgeltgruppen am stärksten. Darüber hinaus fordert die Bundestarifkommission die Ablösung der bestehenden Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge, um eine Gleichstellung zwischen gewerblicher Tätigkeit (gegen Lohn) und Angestelltentätigkeit (gegen Gehalt) durchzusetzen. Die Eingruppierungen stammen noch aus den 60er-Jahren. “Es ist daher an der Zeit, dass auch in der nunmehr letzten Branche der IG BCE eine Flurbereinigung stattfindet “, sagte Frieder Weißenborn. Dafür soll ein konkreter Zeitplan festgelegt werden. Die Verhandlungen zum neuen Entgeltrahmentarifvertrag sollen nach Abschluss der Tarifrunde beginnen.

Das Thema Fachkräftemangel spielte in den Diskussionen eine große Rolle: „Wir müssen aufpassen, dass wir beim Wettbewerb um die Fachkräfte nicht den Anschluss verlieren. Das, was wir hier fordern, ist eine Investition in die Mitarbeiter und damit in die Zukunft der Papierbranche“, sagte Matthias Größig, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Felix Schoeller Group. Ob die Arbeitgeber den Ernst der Lage erkannt haben, wird sich am 19. Februar zeigen, wenn die Verhandlungen in Hannover beginnen.