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19.03.2017

Die Gewerkschaftsjugend in der Zielgeraden

Delegierte wollen Bildung chancengerecht machen

Oberwesel | Alle vier Jahre im Vorfeld des Gewerkschaftskongresses führt die Gewerkschaftsjugend aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland ihre Landesbezirksjugendkonferenz durch. Die Konferenz diskutiert über gewerkschafts- und gesellschaftspolitische Probleme, schlägt Lösungswege vor und führt Wahlen durch. Unter anderem wählt sie den Landesbezirksjugendausschuss für die nächsten vier Jahre. Diesmal tagte die Konferenz vom 3. bis 5. März in besonders malerischer Umgebung, einen Katzensprung entfernt von der Loreley in der für solche Zwecke bestens ausgestatteten Jugendherberge von Oberwesel.

Gruppenfoto der Delegierten In einer Pause stellten sich die Delegieren mal kurz für ein Foto auf. Die Gesichter zeigen: Diese Gewerkschaftsjugend ist gut drauf.

Zuvor hatten die Jugenddelegiertenkonferenzen der vier Bezirke Ludwigshafen, Mainz, Mittelrhein und Saarbrücken die vierzig hier stimmberechtigten Delegierten gewählt (siehe „Wahlen und Debatten zuhauf"). Fast alle Gewählten sind Vorsitzende oder maßgebliche Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAVen) in wichtigen Unternehmen des Landesbezirks.

Die vier vorhergehenden Versammlungen hatten der Konferenz insgesamt 25 Anträge zugeleitet. Die Delegierten arbeiteten diese zum Teil umfangreichen Papiere im Laufe der samstags und des sonntagvormittags einen nach dem anderen ab. Zentrales Anliegen war die Chancengerechtigkeit in der Bildung und der Abbau vorhandener Barrieren.

In einem anderen Antrag forderten die Delegierten den Gesetzgeber auf, das JAV-Wahlalter deutlich zu erhöhen. Der Grund, so Nina Melches, die für die Jugend zuständige Gewerkschaftssekretärin des Landesbezirks, sei das steigende Durchschnittsalter der Auszubildenden: „Immer häufiger beginnen junge Leute ihre Berufsausbildung, wenn sie schon deutlich über achtzehn sind“, sagt sie. Auch Quer-Einsteiger im Alter von Mitte zwanzig, etwa nach einem abgebrochenen Studium, seien nicht mehr selten.

Bevor sich die Delegierten mit diesen Schwerpunkten beschäftigten, hatte Nina Melches die etwa 70 Anwesenden begrüßt.

Außer den Delegierten und Gastdelegierten waren auch diverse nicht zur IG-BCE-Jugend des Landesbezirks gehörende Gäste gekommen. Zu ihnen gehörten Landesbezirksleiter Francesco Grioli, sein Stellvertreter Michael Päckert sowie Leonie Hein als DGB-Sekretärin für Jugend, Bildung und Hochschule des Bezirks Rheinland-Pfalz/Saarland. Sehr herzlich hatte Nina Melches auch den aus Hannover angereisten Bundesjugendsekretär der IG BCE Michael Porschen begrüßt sowie zwei ihrer eigenen Vorgänger als zuständige Gewerkschaftssekretäre für die Jugend des Landesbezirks, nämlich Malte Lückert aus der Abteilung „Junge Generation/Ausbildung" in Hannover sowie Roland Strasser, der inzwischen lange schon Leiter des IG-BCE-Bezirks Ludwigshafen ist.

Im Lauf des weiteren Tages kam es zu einer abwechslungsreichen Abfolge von Rechenschaftsberichten, Antragsberatungen und einer Podiumsdiskussion zur Chancengerechtigkeit in der Bildung. Diese Diskussion bestritten zunächst der Bundesjugendsekretär Michael Porschen, Leonie Hein vom DGB und Francesco Grioli, der in seiner Jugend selbst Erfahrungen als Gesamt-JAV-Vorsitzender und Betriebsrat der  damaligen riesigen Hoechst AG (180.000 Beschäftigte) gesammelt hatte und selbst auch einmal Bundesjugendsekretär der IG BCE war.

Dann mischten sich auch unterschiedliche Delegierten ein, benutzten das Mikrofon und stellten Fragen an das Publikum.

Ausgesprochen anschaulich geriet auch der Rechenschaftsbericht für die vergangenen vier Jahre, den die Mitglieder des scheidenden Landesbezirksjugendausschusses vortrugen. Sie taten das in Form von Theaterstücken, jeweils eingeleitet von einer Art Nachrichtensprecher aus den eigenen Reihen. Eine vergleichbare Rückblende gab es, als die Delegierten mehrere Ehrenamtliche sowie Hauptamtliche verabschiedeten, die in den letzten vier Jahren an der Jugendarbeit des Landesbezirks beteiligt waren.

Gegen Ende der Tagung fanden die Wahlen statt. Und zwar zum einen die der Delegierten für die Bundesjugendkonferenz der IG BCE, die Ende Mai in Frankenthal stattfinden wird. Und zum anderen die Mitglieder des neuen Landesbezirksjugendausschusses (LBJA).

Dieser Ausschuss konstituierte sich unmittelbar im Anschluss und wählte als neue Vorsitzende Jacqueline („Jackie“) Kluge, JAV-Vorsitzende des Pharma-Unternehmens Boehringer Ingelheim. Stellvertretende Vorsitzende wurde Maren Wentzel, die stellvertretende JAV-Vorsitzende der BASF SE in Ludwigshafen. Dem vorherigen LBJA mit den Vorsitzenden Ramona Schmitt und Cesina Staudt dankten die Delegierten herzlich.

Bemerkenswert ist, dass jetzt zum wiederholten Mal zwei junge Frauen das Führungstandem bilden, obwohl mehr als zwei Drittel der Delegierten männlich waren. Dazu Nina Melches: „Das Geschlecht spielt aus der Sicht der jungen Mitglieder keine Rolle. Wir wollen Themen voranbringen. Nur das zählt."

Dass diese Jugend obendrein Humor hat, zeigte sich an ihrer Reaktion, als drei Künstler am Samstagabend ein „Poetry Slam“ aufführten. Und als sich zum Abschluss der Antragsberatungen am Sonntagmorgen die Tagungs-Anspannung langsam legte, da „brach unter der Delegierten mehrfach herzliches Gelächter aus", so Nina Melches.