• 19.05.2017
  • Medieninformation
6. Ordentliche Landesbezirksdelegiertenkonferenz der IG BCE Rheinland-Pfalz/Saarland

Francesco Grioli: "Digitalisierung der Arbeitswelt braucht vor allem Investition in die Menschen"

„Die Arbeitswelt steht vor gravierenden Veränderungen. Klar ist: In Zeiten von Industrie 4.0 und konkreten Auswirkungen des Demografischen Wandels auf Belegschaften und Betriebe muss der Mensch im Mittelpunkt stehen“, adressierte Franceso Grioli, Leiter des IG-BCE-Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland, in Richtung Arbeitgeber. „Digitalisierung heißt nicht nur Aufbau von Technik und Effizienz. Langfristige Wettbewerbsvorteile entstehen vor allem durch Investitionen in die Qualifizierung der Arbeitnehmer. Denn sie sind es, die die Innovationen in unseren Industrien schaffen.“

Grioli sprach auf der Landesbezirksdelegiertenkonferenz zu 90 Delegierten, vornehmlich Betriebsratsmitglieder. Diese berieten 60 Anträge.

Sie bilden die Grundlage dafür, wie sich die IG BCE Rheinland-Pfalz/Saarland in den kommenden vier Jahren inhaltlich aufstellen wird – in wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und Bildungs-Themen. Die Mitbestimmung bei Industrie 4.0 und die Bewältigung des demografischen Wandels war ein Hauptanliegen der Gewerkschafter. „Statt reiner Fachkompetenz kommt es künftig auf das Know-how ganzer Produktionsprozesse an. Das geht nur mit technologischem Wissen und einer ständigen Qualifizierung. Das werden wir von den Arbeitgebern verstärkt einfordern“, so Grioli.

Zu Industrie 4.0 äußerte sich vor Ort auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer: "Der neuen industriellen Revolution der Digitalisierung müssen wir genauso angstfrei und selbstbewusst gegenübertreten wie den vergangenen industriellen Revolutionen: Ohne Technikfeindlichkeit , mit klugen Ideen für Qualifizierung, für die Tarif- und die Sozialpolitik und für soziale Gerechtigkeit" sagte Dreyer. Die Landesregierung sehe es als wichtige Aufgabe der Politik an, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass das gute deutsche Mitbestimmungssystem auch in Zeiten der Digitalisierung seinen Erfolgsweg fortsetzten könne. Um den Wandel gut gestalten zu können, brauchten die Beschäftigten Sicherheit. Dazu gehöre die Absicherung im Alter. "Die gesetzliche Rente ist die wichtigste Säule der Alterssicherung und wir haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das so bleibt", so die Ministerpräsidentin.

Mit Blick auf die Bundestagswahl setzt sich die IG BCE für eine Entlastung der Arbeitnehmermitte ein. Vorsitzender Michael Vassiliadis weist beispielsweise darauf hin, dass mehr als 60 Prozent der Beschäftigten täglich zur Arbeit pendeln. „Das ist nicht nur anstrengend, sondern auch teuer. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer investieren dabei in die Berufstätigkeit, die endlich angemessen steuerlich berücksichtigt werden muss. Deshalb fordern wir die Umwandlung der seit Jahren eingefrorenen Pendlerpauschale zu einem neuen Mobilitätsgeld, das Pendler fair behandelt“, sagte Vassiliadis. Unverzichtbar seien zudem ein Inflationsausgleich bei der Einkommensteuer und die Abschaffung der kalten Progression. 

Gewerkschafter aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland unterstützen diesen Kurswechsel – auch im Sozialsystem. Martin Becker, Vorsitzender der Betriebsgruppe der RAG Saar, fordert das Gesundheitssystem grundlegend neu auszurichten: „Die Förderung der Gesundheit im Interesse des Gemeinwohls stellt eine gesamtstaatliche Aufgabe dar. Hier muss es Ziel bleiben, eine Bürgerversicherung für alle Menschen Deutschlands zu schaffen, in die alle einzahlen, einkommensabhängig und paritätisch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und die für alle ein gleiches Leistungsspektrum vorhält, unabhängig von Einkommen, Herkunft, Beruf und Status“, zitiert er den von der Konferenz angenommenen Antrag.

Nach oben